Bulgarien 2015

Nachdem in den vergangenen Jahren Fahrrad, Boot und Auto bzw. Bus & Bahn im Vordergrund unserer Reisen standen, sollte in diesem Jahr mal wieder auf die bewährten Füße zurückgegriffen werden. Die Frage war: Wohin?

Vorgeschichte

Im Jahre 1986 habe ich mit meiner damaligen Klasse (und unserem überaus engagierten Klassenlehrer) eine sehr prägende Reise als Abschlussfahrt der 10. Klasse unternehmen dürfen. Wir sind nach Bulgarien in das Pirin-Gebirge gefahren, haben dort eine mehrtägige Wanderung über den Gebirgskamm von der Banderica nach Melnik unternommen und sind anschließend noch für 1 Woche ans Schwarze Meer gefahren. Prägend war diese Reise in dem Sinn, dass eine gewisse Sehnsucht nach Bergen, Aktivität und fremden Kulturen geweckt wurde. Die Strapazen waren schnell vergessen, geblieben sind Erinnerungen an einzigartige Natur, nette Begegnungen und fremdartige Gerüche und Spezialitäten. Zu dieser Zeit war Bulgarien für uns als DDR-Bürger das so ziemlich am weitesten entfernte Ziel, das man ohne übermäßig komplizierte Bürokratie erreichen konnte.
Seit einiger Zeit flimmern nun die digitalisierten Bilder der damaligen Reise

über den Bildschirm und so war die Idee einer “Revivaltour” geboren.

Die Planung für 2015

Der geplante Urlaub unterscheidet sich natürlich ganz grundlegend: Zunächst reisen wir nicht als Schulklasse, sondern als 5-köpfige Familie. Die jüngste Tochter ist 9 Jahre, also muss bei Gepäck sowie Schwierigkeitsgrad und Länge der Wanderungen ein anderer Maßstab angelegt werden.

  • Wir haben 4 Wochen Zeit und entscheiden uns zunächst einmal für die Reise per Zug. Allein das ist ja schon ein Abenteuer. Die Besorgung der Fahrkarten machen wir über Gleisnost, mit denen wir bisher sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Dazu später noch mehr.
  • Kurzer Aufenthalt in Sofia und Deponieren des Zusatzgepäcks (für den 2. Teil der Reise) auf dem Bahnhof
  • Mit Bus und Bahn nach Bansko und weiter zur Banderica
  • Wanderung im Pirin nach Melnik über die Demjanica, Bezbok und die Hütte Pirin. Da wir im Vorfeld keine Info über die Zuverlässigkeit des Hüttenbetriebes haben, muss alles mit: Kocher, Zelt, Schlafsäcke, Nahrungsmittel etc.
  • Kurzer Aufenthalt in Melnik und Rückfahrt nach Sofia
  • Organisation eines Mietwagens und Umsortieren des Gepäcks
  • Verabschiedung unserer ältesten Tochter, die sich hier mit 2 Freundinnen trifft und 2 Wochen eigenen Urlaub im Rila-Gebirge genießen möchte
  • Rundreise über das Balkangebirge ans Schwarze Meer (nun zu viert)
  • Sonne, Strand, Erholung – kurz Sommerurlaub
  • Treffpunkt Sofia für die Rückreise

Und das war’s

Im Großen und Ganzen ist der Plan aufgegangen. Details können im Tagebuch der Reise nachgelesen werden.
Die Bulgaren sind uns als überaus freundliche und hilfsbereite Menschen begegnet. Sicher haben auch 4 Wochen durchgängiger Sonnenschein zur Vermeidung strapaziöser Situationen beigetragen, aber bis auf den Verkehr an der Schwarzmeerküste war alles sehr entspannt.
Erschreckend war zunächst der marode Zustand des Landes und auch seiner Hauptstadt, aber man hat sich wie immer sehr schnell daran gewöhnt und die Entdeckungen hinter dieser Fassade – z.B. das vielfältige kulinarische Angebot, die aus den 1980er Jahren stammenden Abteilwagen der bulgarischen Bahn für den internationalen Zugverkehr – schätzen gelernt.

Die Zugverbindung

Die Zugverbindung haben wir in enger Absprache mit Gleisnost organisiert. Auch diesmal haben wir nur die besten Erfahrungen gemacht (Vielen Dank auf diesem Weg!):

  • Gleisnost hat unter Zuhilfenahme aller möglichen Tricks den günstigsten Tarif ermittelt.
  • Alle Hinweise und Tipps stimmten. Die Fahrkarten waren vollständig – da war ich mir zunächst nicht ganz sicher bei dem Stapel :). Kein Schaffner hat irgendetwas an den Fahrkarten auszusetzen gehabt.
  • Auf der Strecke Budapest-Sofia bzw. Sofia-Budapest hatten wir Plätze in Wagen 433. Dieser Wagen ist ein alter 1.-Klasse-Wagen aus der Zeit des Kalten Krieges. Man erschrickt zunächst über den Zustand. Aber der entscheidende Vorteil: Man sitzt zu sechst im Abteil, man kann die Fenster öffnen (d.h. eine Klimaanlage kann nicht ausfallen) und man kann die Sitze zu einer großen Liegefläche zusammenschieben.

    Wir konnten also bequem liegen und die Kosten für den Liegewagen sparen. Über den Komfort im Liegewagen kann ich an dieser Stelle leider nichts sagen.

Tipps

  • Insbesondere im Gebirge, aber auch in vielen anderen Gaststätten, wird der Verzehr mitgebrachter Speisen oder Getränke gestattet oder zumindest geduldet. Dies empfanden wir als sehr befreiend und tolerant.
  • Solltet Ihr mit einem Mietwagen unterwegs sein, ist es von Vorteil einen Unfallmeldebogen mitzunehmen. Hintergrund: Der im Mietwagen befindliche Meldebogen ist (bzw. war es zumindest in unserem Fall) identisch mit den in Deutschland üblichen Formularen, aber natürlich auf kyrillisch. Wenn man jetzt nicht gerade jede Woche einen Unfall baut und das Ausfüllen der Bögen quasi zum Tagesgeschäft gehört, kann es erheblich Ärger sparen wenn man weiß wo man was einzutragen hat.

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