Archiv für den Monat: August 2020

Heimweg

Nun also zum eigentlich spannenden Teil der Reise 😉, dem Heimweg. In Arad beziehen wir noch einmal ein sehr komfortables, ruhiges Quartier und genießen den lauen Sommerabend bei Kartenspiel und rumänischem Wein.

Am Freitag starten wir mit der Autorückgabe. Es ist natürlich wie befürchtet: Die ahnungslosen Touristen bekommen die neuesten Fahrzeuge, damit sie auch die ersten Kratzer bezahlen. Wir verhandeln lange, fahren noch mal in die Wäsche und polieren. Am Ende bleiben tatsächlich zwei minimale Kratzer übrig. Wir fotografieren alles und der Techniker meinte wohl, dass es mit 3 mal drüber polieren zu beseitigen ist. Wir einigen uns auf 50,- €, die wir hoffentlich von der Zusatzversicherung zurück bekommen. Insgesamt war der Autoverleih aber fair und sehr freundlich.

Bahnhof Arad

Am Bahnhof dann der Ticket-Kauf. Die bevorzugte Verbindung Arad-Budapest und mit dem Nachtzug nach Berlin existiert nicht mehr, steht aber in allen Online-Buchungssystemen drin. Nach ca. 45 Minuten haben wir eine Fahrkarte nach Prag mit 6 Stunden Aufenthalt in Breclav (zwischen 23.00 und 5.00 Uhr). Interessanterweise ist das dann aber doch der Zug nach Berlin. Wir sind also gespannt, da es für uns absolut keine Erklärung dafür gibt, warum dieser Zug dann plötzlich in Breclav endet, wenn er doch erst mal losgefahren ist. 14:50 Uhr sitzen wir mit ca. 20 Minuten Verspätung im Zug nach Budapest. Ab Curtici sind wir wieder die Einzigen im Wagen. Das kennen wir ja schon 😊.

Passkontrolle. Erwartungsgemäß interessiert die Rumänen nur unser Gesichtsausdruck. Deshalb darf die Maske mal kurz abgesetzt werden. Die Ungarn interessiert zusätzlich noch unsere Körpertemperatur. Das war’s. Kein Hinweis auf Quarantäne (Rumänien ist nach wie vor beim RKI kein Risikogebiet), keine Fahrkarte wegen Transit, also alles egal!

Gestrandet in Břeclav. Der Zug wird hier “geteilt”. Ein Teil fährt nach Warschau über Wroclaw, der andere Teil nach Prag. Letzterer allerdings mit Umsteigen und dem genannten Aufenthalt. Die Weiterfahrt von Wroclaw nach Berlin existiert nur noch in den Träumen irgendwelcher Fahrplaner. Wir machen es uns auf der Wiese vor’m Bahnhof gemeinsam mit vielen Mücken gemütlich und warten auf den Zug. 5.00 Uhr geht’s weiter. Im Zug wird über České dráhy noch schnell die Fahrkarte gebucht und in Prag schaffen wir den Anschlusszug in den zehn Minuten Umsteigezeit. Neu ist die Menge der Leute, die hier unterwegs sind, das sind wir echt nicht mehr gewöhnt. 10.45 Uhr sind wir dann wieder wohlbehalten ZU HAUSE.

Moldau-Klöster

Nach einem faulen Tag im Liegestuhl und bei immer noch fantastischem Wetter machen wir noch einen Ausflug zu den Moldau-Klöstern. Die Klöster beeindrucken durch ihre Bemalung der Außenfassade, die den Gläubigen die biblische Geschichte vermitteln sollte.

Die Autofahrt führt am Rande des Rodna-Gebirges vorbei bis nach Voroneț.

Kloster Voroneț

Dann geht es weiter zum Kloster Humor. Der Touristenansturm hält sich auch hier überall in Grenzen.

Zurück geht es über Moldovița und wir erkennen viele unserer früheren Reiseziele wieder. Nur wäre diese Tour vor 14 Jahren niemals als Tagesausflug möglich gewesen.

Am Donnerstag beginnen wir den “geordneten Rückzug” und fahren von Viseu de Sus über Satu Mare und Oradea zurück nach Arad.

Kirchen, Viehmarkt und Hanf im Vorgarten

Am Montag ist Viehmarkt in Bogdan Voda. Wir brechen zeitig auf, um auf dem Markt noch ein paar Tiere zu sehen. Die Zeiten der Bauern unterscheiden sich doch deutlich von den unsrigen.

Viehmarkt in Bogdan Voda

Käse

Seit 1. August gilt in Rumänien die Maskenpflicht bei größeren Menschenansammlungen auch im Freien. Die Infektionszahlen sind aber rückläufig.

Nach dem Markt fahren wir noch weiter über die Dörfer, besuchen ein neu gebautes Kloster und alte Holzkirchen.

Kloster Ieud

Holzkirche (18. Jahrhundert) mit eindrucksvollem Friedhof

Neben der Kirche finden wir noch ein ethnografisches Museum, in dem uns die traditionellen Handwerkstechniken nähergebracht werden. Auch Meta darf sich mal versuchen.

Im Vorgarten des Museums wächst der Hanf, aus dem dann der Faden gesponnen und die Souvenire gewebt werden.

In einer weiteren Kirche in Sieu finden sich eindrückliche Wandmalereien der Strafen für sündige Mitmenschen.

Abends sehen wir uns noch den Film “Im Schatten der Türme” von Björn an. Es geht um eine Reise von Bukarest über Istanbul und Tbilissi nach Ushguli. Vieles erkennen wir wiederer und in schwelgen schönen Erinnerungen.

Fröhlicher Friedhof

In Săpânța gibt es einen Friedhof der besonderen Art. Die Grabmäler beschreiben in geschnitzten Bildern auf humorvolle Weise die Berufe oder die Todesursache der Verstorbenen. Am Sonntag machen wir einen Ausflug dahin.

Mittlerweile – wir waren vor 14 Jahren schon einmal da – ist der Ort eine mittelgroße Touristenattraktion und so wurden nicht nur die Souvenirstände massiv ausgebaut, sondern auch um die auf dem Friedhof befindliche Kapelle eine imposante neue Kirche errichtet.

Dank Corona ist aber alles noch erträglich. Es gibt keine Reisebusse, die Besucher nehmen sich Zeit und lesen sich die Geschichten auf den Grabtafeln durch. Das bleibt uns mangels Sprachkenntnis leider verwehrt.

Auf dem Weg sieht man an diesem Tag viele Menschen in traditionellen Trachten auf dem Weg in die oder aus der Kirche. Man steht beisammen und erzählt einander den neuesten Tratsch oder trinkt gemeinsam Bier.

Auf dem Rückweg möchten wir eigentlich noch gern die Gedenkstätte Elie Wiesel in Sighet besuchen. Das ist aber Corona-bedingt etwas kompliziert und so bleibt uns nur, im benachbarten Restaurant sehr gute traditionelle Kost zu genießen.

Auch an diesem Abend gibt es wieder interessante Geschichten am Lagerfeuer, vom Unterwegssein in der Welt, von den Problemen einer türkischen Mischehe in Köln, dem Leben in Moskau und einer Schlittentour über den Baikalsee.

Obcina

Am Samstag wandern wir nach Obcina, einem ruthenischen Bergdorf. Es geht das Weintal hinauf, zunächst vorbei an dem Anwesen von Ion dem Trompeter. Ihr erinnert Euch? Die Geschichte mit dem Haus? … Da auf der Wiese haben wir vor 14 Jahren gezeltet. Er hat den Kindern Heu unter das Zelt geschoben, damit sie wie im Himmelbett schlafen. Heute fällt sein Haus ein, die Wiese wächst zu und nebenan wachsen Pensionen. Es ist der Lauf der Zeit.

Das Haus des Trompeters

Unsere Wegbeschreibung auf zwei A5-Zetteln leistet erstaunlich gute Dienste. Der Weg ist nicht soo leicht zu finden, da er immer wieder von Vieh- und Fahrwegen gekreuzt wird.

Wanderkarte für den Aufstieg nach Obcina

Auf halbem Weg treffen wir auf die Kapelle und wissen, wir sind richtig.

Danach wird der Aufstieg dann etwas beschwerlicher. Die Wege sind zum Teil sehr schlammig und von Viehherden aufgewühlt. Zudem knallt die Sonne erbarmungslos auf unsere unbedeckten Köpfe.

Aber wir schaffen es bis hoch. Wir sehen den Ort und das alte Paar, das jeden Tag auf der Treppe seines Hauses sitzt. Bei einem Picknick genießen wir den Ausblick, machen uns aber alsbald wieder auf den Heimweg.

Holzschlitten in Obcina

Obcina

Abends am Lagerfeuer “müssen” wir natürlich genau berichten, wie gut das Dorf bewohnt ist, wen wir getroffen haben und wie der Weg beschaffen war.

Maramureș

Donnerstag. Wir haben beschlossen, doch direkt ins Weintal zu fahren. Eigentlich wollten wir den Umweg über die Moldau-Klöster nehmen. Aber die Aussicht, ein paar Tage an einem Ort verbringen zu können, ohne nervige Quartiersuche bei Booking.com, ist zu verlockend. Fairer Weise muss man aber erwähnen, dass wir uns schon sehr oft fragen wie man nur früher die Unterkünfte gesucht hat — so ganz ohne die Errungenschaften des digitalen Zeitalters. Egal, wir nehmen einen kleinen Umweg über die Dörfer um noch etwas vom Land zu sehen. Aber es ist immer noch sehr heiß und Aussteigen dient in erster Linie der Bestätigung, dass das Thermometer im Auto nicht lügt.

Kirche am Wegesrand

Am Abend erreichen wir das Weintal und werden herzlich empfangen. Es ist ruhig, grün und entspannt. Nach einem Regen kühlt es deutlich ab und wir haben die warmen Sachen doch nicht umsonst mitgenommen.

Später bringt eine Bäuerin noch frisch gemolkene Milch und Ziegenkäse vorbei. Die Frauen sind im Paradies 😋.

Der Freitag vergeht mit Ausschlafen, Planen und Erzählen. Björn (Reinhardt), bei dem wir Quartier bezogen haben, gibt Tipps für die nächsten Tage und erzählt wilde Geschichten, von Hexen mit Stöckelschuh- und Kleidersammlung, von Ion dem Trompeter der sein Haus mit einem Gabelstapler versetzt hat (nur um die Leute zu verwirren), dem nahen (deutschen) Kinderprojekt das vom SEK aufgelöst wurde und und und… So ist ganz schnell Nachmittag und wir gehen noch einmal durch die Wiesen in den Ort um Fleisch (vor allem Mici, so eine Art aufgepustete Cevapcici), Brot und Gemüse zu kaufen. Die Temperaturen sind sehr angenehm und gelegentlich lässt sich noch ein Stück traditionelles Rumänien erhaschen.

Zeit des Heuwendens

Vișeu de Sus (Wischau)

Die Mici werden abends bei Wein und unendlich vielen Geschichten zusammen mit Björn und Florentina am Feuer gegrillt. Gegen halb zwei fallen wir dann endlich ins Bett.