Ukraine 2013

Im Sommer waren wir als Familie mit dem Fahrrad in der Ukraine unterwegs. Um “Nachahmern” das Leben zu erleichtern gibt’s jetzt hier einige Tipps und Eindrücke von dieser doch eher interessanten und abenteuerlichen als erholsamen Reise.

Mittlerweile hat sich in der Ukraine ja einiges zusammengebraut und ich es für unbedingt erforderlich doch auch einige “meinungsbildende” Publikationen hier zu verlinken. Wen das interessiert, der sei herzlich eingeladen in der Linksammlung zu stöbern.

Anreise

Zunächst sind wir (zu fünft) mit dem Zug von Dresden nach Przemysl (Polen) gefahren. Eigentlich ist das kein Problem, aber wie auch in Deutschland erfordert die Mitnahme von Fahrrädern etwas mehr Organisation. Wir haben uns dafür von Gleisnost beim Planen der Verbindung helfen lassen und dort dann auch die Fahrkarten besorgt. Eine gute Entscheidung! Sehr unkompliziert haben wir von immer freundlichen Mitarbeitern sehr hilfreiche Tipps erhalten, die uns die An- und Abreise echt erleichtert haben:

  • TLK-Züge bspw. sind zwar nutzbar, nehmen aber reservierungspflichtig nur eine begrenzte Anzahl an Rädern mit.
  • Die Reservierung der Fahrrad-Platzkarten in IC/EC ist erst 4 Wochen vorher möglich.
  • In den Regionalzügen ist die Fahrradmitnahme unproblematisch.

Hin- und Rückfahrt erforderten jeweils 2 Tage Reisezeit – mit Zwischenstopp in Kraków.
Ist man in Polen mit den Regionalzügen unterwegs, hat man jeweils am Anfang und Ende eines Zuges große Gepäckabteile. Bei gekoppelten Zügen dann entsprechend auch noch einmal zwei in der Mitte. Hier bringt man bequem zehn Fahrräder mit Gepäck unter.

Grenze

Irgendwann dann doch in der Ukraine angekommen, konnten wir sehr schnell feststellen, dass das Dekodieren kyrillischer Schriftzeichen unerlässlich ist. Darauf waren wir dank verschiedener Forenbeiträge und Reiseführer-Empfehlungen vorbereitet. Allerdings ist doch ein Großteil der mühsam in der Schule erworbenen Russischkenntnisse verschüttet geblieben – leider.
Die Einreise (und auch die Ausreise) ist für EU-Bürger recht unproblematisch. Allerdings muss man bei motorisiertem Grenzübertritt mit längeren Wartezeiten rechnen. Vielleicht erinnert sich ja mancher noch an die Grenzen nach Rumänien oder Bulgarien in den 1990er Jahren. Ungefähr so ein Flair findet man derzeit an der östlichen EU-Außengrenze.

Tour

Unser Ziel, die Waldkarpaten, mussten wir recht schnell aufgeben: Die heißen Sommermonate des Jahres 2013 haben auch vor der Ukraine nicht halt gemacht. Das Tempo hat unsere 7-jährige Tochter bestimmt, für die es bei Temperaturen um 30-35°C kein Vergnügen war, Urlaub auf staubigen Landstraßen zu machen.
Ach ja, die Straßen: Beim Fahren mit Gepäck ist das mit der Geländegängigkeit so eine Sache. Wir sind daher immer bemüht kleinere Straßen mit weniger Verkehrsaufkommen (in der Karte meist weiß oder gelb dargestellt, manchmal geht auch noch orange) zu nutzen, jedoch Wald- oder Feldwege zu meiden. Auch wenn sie sicher häufig idyllisch sind. Relativ schnell mussten wir allerdings feststellen, dass man dem mitgeführten Kartenmaterial nicht entnehmen konnte, welche Qualität der Straßenbelag, sofern vorhanden, aufweisen wird. Häufig glichen die Straßen eher schlecht befahrbaren Feldwegen, was häufiges Schieben und einen immensen Zeitverlust zur Folge hatte.

Der erste Zielort hinter der Grenze war Мостиська (Mostiska). Hier fanden wir eine kleine Pension und konnten den Preis für 2 Zimmer auf ca. 40,-€ aushandeln. Dieser Preis stellte sich für die meisten Übernachtungsmöglichkeiten für 5 Personen als Einheitspreis heraus, wobei der Komfort durchaus unterschiedlich war.
Von hier aus ging es weiter in Richtung Самбір (Sambir). Es war Sonntagabend und schnell stellte sich heraus, dass festes Dach über dem Kopf und eine Dusche zu erträglichen Preisen nicht zu haben waren. Aber durch Самбір fließt der Dnistr und an dessen Ufern fanden wir Bademöglichkeiten mit Volksfestcharakter. In den Fluss wurde vom Baby bis zum Auto alles getrieben, was “sauber” werden musste. Angesichts der Massen war es damit allerdings nicht weit her. Später bauten wir dann unsere Zelte auf und genossen die doch noch einkehrende Stille nachdem sich die Badegäste in den nahegelegenen Ort zurückgezogen hatten.
Nach einem erfrischenden Bad ging es am nächsten Morgen weiter nach Дрогóбич (Drohobych). Im ersten Hotel am Platz – man empfahl es uns mit Verweis auf den russischen Standard – checkten wir ein und erfreuten uns nach kurzer Erholung noch einer Pizza und einem Bummel durch die Stadt. Auch hier die Übernachtung zum Einheitspreis von 40,- €. In Дрогóбич kann man übrigens noch einen sehr ukrainischen Wochenmarkt genießen. Die Bauern der Umgebung kommen mit ihren Produkten und verkaufen sie direkt zu ihren Füßen. Von Дрогобич nach Гірне (Hurnie, 44 km) eine wenig spektakuläre Landstraße… Sowohl Einkaufsmöglichkeit als auch Übernachtung sind in diesem Straßendorf Fehlanzeige. Für die Nacht blieb uns nur der Feldrand.
Weitere Etappen unserer Tour waren dann Тухля, Головецько und Лавочне. Die Landschaft und insbesondere die Dörfer entsprachen zunehmend unseren Vorstellungen osteuropäischer Traditionen. Weithin sichtbare blitzende Kirchendächer, blühende Gärten und bunte Bauernhäuser. Übernachtet haben wir meist in Flussnähe. Allerdings muss man hier deutliche Abstriche hinsichtlich der Sauberkeit in Kauf nehmen. Dadurch
stellte sich auch nur langsam ein Erholungseffekt bzw. das Gefühl von Urlaub ein.
Von Лавочне sind wir mit dem Zug in Richtung Львів (Lviv) gefahren. Entgegen aller Reiseliteratur-Beschreibungen mussten wir uns am Schalter nicht mit anderen Reisenden lauthals um Fahrkarten streiten, sondern haben diese wie normale Reisende gegen einen festen Geldbetrag erstanden. Möglich, dass die Situation auf den großen Bahnhöfen der Städte anders ist, aber hier war alles sehr entspannt. Unsere rudimentären Schulrussischkenntnisse haben auch noch ausgereicht, die Fahrradsituation zu klären. Gepäckwagen oder -abteile gibt es prinzipiell nicht. Die Fahrräder mussten also im Großraumabteil untergebracht werden. Hier kam uns natürlich zugute, dass wir von Endstation zu Endstation gefahren sind, denn je näher wir unserem Ziel kamen desto voller wurde auch der Zug. Aber Ukrainer scheinen geduldige Menschen zu sein: Niemand hat geschimpft oder erklärt, dass das so alles nicht gehen würde.

Creative Commons Lizenzvertrag
Der private Reisebericht Ukraine 2013 von S. Röthig ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Keine Bearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

2 Gedanken zu „Ukraine 2013

  1. Ein schöner Blog 😛 jetzt bin ich auch mal dazugekommen ihn ein bisschen zu lesen.. ich warte gespannt auf die Bilder aus dem Riesengebirge!!! 😀

    1. Naja, ist ja noch nicht fertig. Aber wird schon noch 😉
      An der Reisebeschreibung zum Riesengebirge haben wir (Victor und ich) heute schon fleißig geschrieben. Aber das wird wohl erst zum Wochenende.

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